Stellungnahme zur kritischen Berichterstattung zum österreichischen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und NLP in sueddeutsche.de

30.11.16

Am 29.11.2016 griff  in der online-Version der Süddeutschen Zeitung (sueddeutsche.de) Karin Jancker eine Berichterstattung der Wiener Wochenzeitung „Falter“ auf, die sich  kritisch mit dem Verhalten des österreichischen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer  und insbesondere mit dessen rhetorischen Fertigkeiten als ehemaliger Kommunikationstrainer auseinandersetzt. Ein Schwerpunkt von Karin Janckers Beitrag „Norbert Hofer und die Kunst Zwietracht zu säen“ gilt gezielt manipulativen Provokationen von Norbert Hofer. Dabei vermittelte der Beitrag den Eindruck, dass dieses insbesondere durch die NLP-Kenntnisse des FPÖ-Kandidaten geschehe, der damit in einer partei-internen Schulungstradition seit Jörg Haider stehe.

Die Darstellung ist geeignet eine tendenziöse Methoden-Polemik zu begünstigen. Die skizzierten Verhaltensweisen und Verhaltenswerte enstprechen nicht den Ausbildungzielen und Werten, die die großen NLP-Verbände im deutschsprachigen Raum Mitteleuropas vertreten, unabhängig von  vermeintlichen oder tatsächlichen Schulungen, die unter welch  verzerrender Begrifflichkeit auch immer stattgefunden haben mögen. Wir bitten deshalb – auch im Interesse eines kritischen, investigativen Journalismus  - folgenden Sachstand in der aktuellen Diskussion zu berücksichtigen:

NLP sieht sich seit seinen Anfängen und insbesondere nach einer abermaligen Verstärkung systemischer Bezüge in den letzten 17 Jahren in einer dezidiert humanistischen Tradition. Die Wertschätzung des Einzelnen in seinen individuellen Eigenheiten spielt seit den Anfängen von NLP und seinen Wurzeln in der Gestalttherapie von Fritz Perls, der systemischen (Familien-)Arbeit von Virginia Satir und der integrativen hypnotischen Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen nach Milton Erickson eine entscheidende Rolle. Dementsprechend betonten auch die Begründer des NLP die Bedeutung der Einzigartigkeit jedes Einzelnen, und dass insbesondere Satir und Erickson nie jemanden aufgaben. Ausgrenzungen, Diffamierungen und Herabsetzungen vertragen sich nicht mit dem Ansatz, dessen zentrales Ziel es ist, die Kommunikation mit sich selbst (wie ich mit mir rede, wie ich über mich denke) und mit anderen (wie ich andere wahrnehme, wie diese mich wahrnehmen, wie wir uns verstehen) zu verbessern.

NLP ist in Österreich eine zugelassene Therapie-Form. Incite, die Qualitätsakademie des Fachverbandes der Unternehmensberater und der IT-Branche zertifiziert zusammen mit der österreichischen Wirtschaftskammer Business Trainer und Coaches des europäischen NLP-Verbandes (EANLP). In Deutschland findet sich NLP in den Lehrangeboten von Volkshochschulen und der Industrie- und Handelskammer (IHK). Seit 2016 gibt es eine Kooperation zwischen den Steinbeis-Hochschulen und dem deutschen Verband (DVNLP), die eine Zertifizierungsmöglichkeit für Ausbildungsteilnehmer mit europäischen Studienpunkten gewährleistet. NLP oder NLP-Elemente finden sich in Ausbildungsangeboten für Polizisten und für Hospiz-Mitarbeiter, in Artikeln zum Katastrophenschutz, in Empfehlungen für die Integrationshelfer von Asylsuchenden oder auch in ärztlichen Gesprächsleitfäden oder medizinischen Dissertationen.

Dementsprechend wurde letztes Jahr (2015) Robert Dilts als einer der wesentlichen Weiterentwickler des NLP mit dem Life Achievement Award, dem namhaftesten Preis der deutschen Weiterbildungsbranche ausgezeichnet. Preisträger vor ihm warenNikolaus B. Enkelmann, Lothar Seiwert, Friedemann Schulz von Thun, Wolfgang Mewes, Gunther Schmidt, Geert Hofstede, Tony Buzan und Bernd Schmid – insgesamt Koryphäen mit internationalem Ruf. Der Preis wird gemeinsam vom Dachverband der Weiterbildungsorganisationen e.V., German Speakers Association, dem Weiterbildungsmageazin managerSeminare, dem Gabal Verlag und Speakers Excellence vergeben. Dilts selbst hat mit zahlreichen internationalen Organisationen zusammengearbeitet. Er hielt Vorträge vor der UN und der World Health Organization  und war unter anderem langjähriger Berater von FIAT.

Die NLP-Verbände der deutschsprachigen Länder Mitteleuropas, der Schweiz, Österreich und von Deutschland, gehörten zu den Gründungsverbänden der EANLP (european association for NLP), die sich zum Ziel gesetzt hat in Europa einheitliche Ausbildungskriterien zu schaffen. Ihnen gemeinsam ist ein strenger Ethik-Codex. Dieses Ziel verfolgte der DVNLP auch bei der Initiative zur Gründung des Forums Werteorientierung in der Weiterbildung FWW e.V..

Der Missbrauch einer Methode durch Einzelne lässt sich bedauerlicher Weise nie ganz ausschließen. Oftmals werden dabei Inhalte verkürzt, verkehrt, verfälscht, so dass von der Ursprungsmethode kaum mehr als ein aufgeklebtes Etikett übrigbleibt. Das zeigt sich in Randfällen auch bei Trivialisierungen und Instrumentalisierungen “des NLP“. Die Wurzeln der Rhetorik liegen in der politischen Debatte und im Gerichtsverfahren. Hier erfüllte und erfüllt sie eine wichtige Funktion, indem sie Menschen hilft, ihre Argumente vorzutragen. Ihr bereits in der Antike beklagter Missbrauch sagt nichts über die Rhetorik an sich, so wie auch aktuell der tatsächliche oder vermeintliche Missbrauch von NLP nichts über deren Ansatz an sich sagt. Der Missbrauch durch Sophisten, durch Rabulistik, durch sogenannte Schwarze Rhetorik, durch Fanatiker, Betrüger und Heiratsschwindler sagt etwas über die jeweilige Moral von Einzelnen oder Gruppen und ist gegebenenfalls eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe. Wenn Norbert Hofer ähnlich wie Donald Trump in einem äußerst provokativ und polarisierend geführten Wahlkampf kontinuierlich extreme Auslegungen als Wahrheit behauptet, so zielte er auf denFrequencyValidityEffect, dass man dazu neigt,das zu glauben, was man öfters hört und über verschiedene Medien aufnimmt, wenn man zuvor noch keine klare Meinung hat. Dies ist keine NLP-Technik. Ganz im Gegenteil: die ersten NLP-Bausteine waren die sogenannten Meta-Modell-Fragen. Dies sind Konkretisierungsfragen die bei vielen wieder zu einem klaren und freien Blick führten, etwas, das man sich für jede Debatte wünscht.

NLP verhilft zu einer verbesserten  inneren und äußeren Wahrnehmung und geht von der Einzigartigkeit jedes Menschen aus. Es stärkt die Achtsamkeit und durch den Wechsel von Wahrnehmungspositionen und differenzierterer  Wahrnehmung den respektvollen Umgang miteinander. Nicht Manipulation, sondern eine gemeinsame, gelingende Interaktion ist das Ziel. Deshalb eignet es sich besonders gut zur Teambildung, Inklusion oder Integration oder immer da, wo es darum geht, Menschen da abzuholen, wo sie gerade stehen.

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