Ungeeignete Protagonisten – Kritischer Beitrag über NLP in der „Wirtschaftswoche“ – Stellungnahme des DVNLP

Die „Wirtschaftswoche“ veröffentlichte am 19. Juli 2019 unter der Überschrift

„COACHING UND MOTIVATION – Marketing oder Methode? Der Streit über die neurologische Fernsteuerung“

einen Artikel über das Neuro-Linguistische Programmieren.

Wir haben Kontakt zur Redaktion aufgenommen und eine ergänzende Berichterstattung angeregt. Doch dazu konnte uns der zuständige Autor keine Zusage geben.

Der Deutsche Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren (DVNLP), nimmt dazu wie folgt Stellung:

Der Artikel scheint zunächst ausgewogen, denn er stellt Positionen eines prominenten NLP-Trainers und eines NLP-kritischen Wissenschaftlers ungefähr gleichgewichtig dar, zumindest, was die Zeilenzahl angeht. Leider sind die Protagonisten zwei Personen, die völlig ungeeignet sind, ein objektives Bild zu vermitteln.

  • Der zitierte NLP-Trainer lehrt zwar NLP. Doch seine Ausbildungen erfüllen nicht die Qualitätskriterien des DVNLP, weder die inhaltlichen noch die ethischen Standards. Sie sind vom DVNLP nicht anerkannt. Um es im Bilde der Profession des Wirtschaftswoche-Autors zu sagen: Dieser Trainer verhält sich zum seriösen NLP ungefähr so, wie die Bild-Zeitung zum seriösen Journalismus.
  • Der zweite Protagonist in dem Artikel, Professor Uwe Peter Kanning, zieht seit vielen Jahren gegen das NLP zu Felde. Dabei reißt er zum Teil Aussagen aus dem Zusammenhang oder stellt Modelle des NLP so stark vereinfacht dar, dass sie dann falsch und unsinnig wirken. Wenn NLP Manipulation wäre, Uwe Peter Kanning ist ein Meister darin.

Jeden einzelnen Punkt aus dem Beitrag in der Wirtschaftswoche zu würdigen, würde den Rahmen dieser Stellungnahme sprengen. Daher seien hier nur einige Beispiele aufgegriffen:

Augenzugangshinweise: Professor Uwe Peter Kanning behauptet, dass diese widerlegt seien. Die Wirtschaftswoche bezieht sich dabei auf drei Studien. Diese kennen wir auch. Sie widerlegen aber nicht die Augenzugangshinweise, sondern beweisen lediglich, dass die Augenzugangshinweise nicht dazu genutzt werden können, Lügner zu entlarven. Damit ist etwas „widerlegt“, was kein seriöser NLP‘ler je behauptet hat. Ein merkwürdiges wissenschaftliches Vorgehen, oder? Auch würde kein gut ausgebildeter NLP-Trainer, Coach oder Therapeut die Augenzugangshinweise als alleinigen Zugangshinweis zur Innenwelt eines Menschen, sondern nur als ein Puzzlestein einer umfassenden Informationssammlung nutzen.

Auch ein NLP-Trainer wird zu den Augenzugangshinweisen zitiert, und er erweist dem seriösen NLP keinen guten Dienst. Szene: ein Bewerbungsgespräch (folgt Zitat aus der Wirtschaftswoche):

„Doch als er über die Lücke in seinem Lebenslauf sprechen soll, unterbricht er plötzlich den Blickkontakt zum Personaler und schaut immer wieder nach oben. Für … (der NLP-Trainer, Anm. R. D.) ist das der Moment, in dem er sein Gegenüber durchschaut haben will, anhand dieses einen Blicks: Ganz klar, da sitzt ein visueller Typ, der sich gerade Bilder im Kopf vorstellt.“

Suggeriert wird hier, dass ein NLP-Trainer aus der Augenstellung ersehen könne, dass ein Bewerber im Bewerbungsgespräch lügt. Das ist jedoch nur eine von vielen Möglichkeiten der Interpretation der Augenbewegungen. Ebenso wie diese Generalisierung schlichtweg unkorrekt ist:

„Verkäufer, so … (der NLP-Trainer, Anm. R. D.), sind visuelle Typen und preisen ihre Produkte bildhaft an, …“

Reframing / Phobienheilung: 

Weiter wird angegeben, dass der zitierte NLP-Trainer behauptet habe, mit Reframing könne Lampenfieber abgelegt werden. Wer NLP erlernt hat, weiß, dass dies falsch ist. Ein Reframing kann zwar Teil eines Interventionskonzeptes bei Lampenfieber sein, nicht aber die Intervention an sich. Zumindest nicht in einem seriösen Coaching oder in einer seriösen NLP-Ausbildung. Das wäre in etwa so, wie wenn ein Arzt behaupten würde, die Erklärung und Umdeutung einer Erkrankung wäre bereits die Therapie: Das ist schon für den medizinischen Laien ebenso erkennbar falsch, wie für den gut ausgebildeten NLP-Practitioner klar ist, dass ein Reframing allein kein Lampenfieber heilt.

Allein diese Aussagen aus dem Beitrag in der Wirtschaftswoche bestätigen uns vom DVNLP darin, dass die Seminare des zitierten und in Deutschland recht bekannten NLP-Trainers bei einer Qualitätsprüfung des DVNLP glatt durchfallen würden. Schade, dass das Blatt nur ihn als „Pro-NLP“-Informanten zitiert.

Professor Uwe Peter Kanning ist einer der profilierten und bekannten NLP-Kritiker. Doch auch er hat nichts daran ändern können, dass NLP die wohl am weitesten verbreitete und die erfolgreichste Methode im Bereich Wirtschaft und Organisationen ist. Unternehmenstrainer und -coaches arbeiten vielfach mit NLP oder Ableitungen daraus; manche verschweigen die Urheberschaft. Viele Personaler betrachten das NLP-Zertifikat eines Bewerbers als „Eintrittskarte“. Denn NLP-kundige Mitarbeiter und Führungskräfte denken in Lösungen statt in Problemen, können emotional intelligent kommunizieren, sind selbstbewusst und durchsetzungsstark und bringen damit die Schlüsselqualifikationen für eine Führungsposition bereits mit.

Die Kritik daran, z. B. die von Professor Uwe Peter Kanning, mutet gewollt und von fundierten Kenntnissen unberührt an. So wird beispielsweise behauptet, NLP sei deshalb widerlegt, weil es wissenschaftlich nicht bewiesen wäre. Auch das ist unkorrekt. Nach diesem Kriterium würde wohl keine psychologische Methode „wahr“ sein, weil keine Studie in diesem Bereich einen letztendlichen Beweis erbringt, der nicht mehr infrage gestellt werden kann. Niemand, der gut in NLP ausgebildet ist, behauptet, dass eine Intervention bei allen Menschen und in der gleichen Weise funktioniere.

Es mag sein, dass NLP den Ansprüchen universitärer Forschung, wie Kanning sie versteht, nicht genügt. In der Gehirnforschung spielt sich allerding eine Revolution ab, von der indirekt auch NLP profitiert. Die Neurobiologie liefert immer mehr Erklärungen für die biologische Basis des Bewusstseins und der geistigen Vorgänge, durch die wir wahrnehmen, handeln, lernen, uns erinnern und verändern. Dank der bildgebenden Verfahren der Neurobiologie sind heute etliche Wirksamkeits-Voraussetzungen, von denen das NLP bislang ausgegangen ist, wissenschaftlich bewiesen. Ob das Professor Kanning nun gefällt oder nicht.

 

Ralf Dannemeyer

Vorstand Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

DVNLP e. V., Berlin

Der Artikel in der Wirtschaftswoche ist im Internet hier verfügbar:

https://www.wiwo.de/erfolg/management/coaching-und-motivation-marketing-oder-methode-der-streit-ueber-die-neurologische-fernsteuerung/24674220.html